Sabine Müller, 43, verbrachte zwei Jahre damit, Spezialisten aufzusuchen.
„Ich ging wegen der Geräusche, die nicht aufhörten, zu Audiologen. Wegen meiner Sehprobleme ging ich zu Augenärzten. Ein Psychiater verschrieb mir Medikamente gegen Angstzustände», sagt sie.
Kein einziger Arzt betrachtete ihren Nacken.
„Ich hatte jeden Test, den man sich vorstellen kann. Gehirnscans, Hörtests, Blutuntersuchungen. Alles war unauffällig.
Am Ende sagten sie, es sei nur Stress.»
Sabines Geschichte ist keine Ausnahme – sie ist die Regel.
Dr. Ralf Buhl, ein führender Arzt und Physiotherapeut an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, erklärt:
Wenn Sie lange nach unten schauen oder schief sitzen, streckt sich Ihr Kopf nach vorne.
Ein Gewicht von 5 Kilogramm lastet dann auf Ihrem Nacken wie eine Bowlingkugel und bringt die tiefen Stützmuskeln zum Verkrampfen.
Die Auswirkungen:
Wenn diese Muskeln hart werden, drücken sie auf Ihren kleinen, empfindlichen Hörnerv und die Cochlea.
Genau hinter Ihrem Ohr.
Genau dort liegt der Punkt, der Nacken und Ohren verbindet.
Ärzte nennen ihn den „Tinnitus-Schalter“. Und sobald dieser Bereich angespannt oder eingeklemmt ist, entstehen diese seltsamen Ohrgeräusche.
Die Folgen:
Je länger Druck auf Ihren Hörnerv ausgeübt wird, desto stärker wird er geschädigt.
Es ist, wie wenn man auf eine Schnecke tritt. Im schlimmsten Fall droht dauerhafter Hörverlust. Wir können schließlich nicht einfach aufhören, unseren Nacken zu benutzen.